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1806 - J.J. Alberti "Über das Waldhorn"

„Der gebildete Kavalier mag das Waldhorn auf grüner Flur zur Jagd und Pürsch wohl brauchen, enthält sich aber im Allgemeinen seiner Übung zu musikalischem Zwecke, sintemalen die Diffizilität jenes Instruments seinen Gebrauch in der Kammer fast zur Gänze aussetzt. Um auf dem Waldhorn eine den Ohren wohlgefällige und einschmeichelnde Musik produzieren zu können, bedarf es mühereichen Fleißes. Gar leichtlich mag es doch geschehen daß der Odem des beflissenen Bläsers sich in der ausnehmenden Länge des Tonrohres verirret, oder die Gespanntheit seiner aufs künstlichste gestrafften Embouchure einem Einfall momentaner Lippenlähmung unterworfen wird. Dieß all, ja die nicht aufs genauest getroffene Ballung der Faust im Becher, bewirket, daß dem Instrument inmitten einer süßen Cantilena so unerwünscht grausame Mißgebilde von Tönen entspringen, daß vor allem, wenn sich Suiten solcher musikalischer Unfälle ereignen und den malheureusen Bläser konfusionieren, es auch den artigst lauschenden Angehörigen der gebildeten Stände größte Mühaufwendung erförderlicht, die sich zwangsmaaßen herbeidrängende Lächerlichkeit zu bannen, sich verbilden wollende Gesichtszüge in strenger Zucht zu halten, und dem Antlitz ein Aussehen zu verleihen, als ob sich die Seele an himmlischsten Tönen ergötze. Sollten jedoch zwey, drey oder vier in den musikalischen Vortragskünsten erfahrene Herren die Forsche haben, sich im Cabinette mit einem Stück auf Waldhörnern hören zu lassen, so ist das wohlgeeignet, eine Versammlung musikliebender Herzen in die angenehmste Stimmung zu versetzen. Donnernder Beyfall belohne nach gelungener Darbietung dann die Waldhornkünstler, auch ein lautes Bravo! oder Vivat! sei hier verstattet. Selbst ein fröhlicher Umtrunk ist dann wohl am Platze."

Diese belustigenden Zeilen finden wir im „Neuen Musikalischen Complimentirbuch" von J. J. Alberti vom Jahre 1806. Nach einer Reihe weiterer „Richtigkeitsanweisungen" für „Angehörige der gebildeten Stände, so der Kunst des Waldhorn- und Quartettspiels ergeben", können wir darin noch folgenden Literaturhinweis lesen: „Man durchsehe die hinlänglichen Bevorratungen an Piecen, so Notturni, Phantasien, Jagd-AlIegri und Adagio-Cantabili der Musikalischen Handlungen, und wähle mit feinstem modischen Geschmacke."



So teilte es Kurt Janetzky 1954 in seinem Beitrag "Das Waldhorn-Quartett" in der Zeitschrift Musica  Jg. 1954 S.142-144 mit. Leider ist es bisher nicht gelungen, das zitierte Werk von J.J. Alberti überhaupt nachzuweisen. Alberti veröffentliche einige Complimentierbücher, ein "Musikalisches" fand sich nicht. Woher schöpfte Janetzky diese Zeilen?