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Schneider, Georg Abraham

Georg Abraham Schneider wurde am 19. April 1770 in einem Dorf nahe Darmstadt geboren. Da seine Eltern arm waren, bekam er eine nur leidliche Schulbildung und wurde schon sehr bald in die Stadtpfeife zu Darmstadt zur Ausbildung geschickt. Dort erlernte er wie damals üblich, eine Vielzahl von Instrumenten, zeigte schon bald eine besondere Begabung für das Horn. Im Jahre 1787 spielte er in der Darmstädter Hofkapelle, die unter der Schirmherrschaft des kunstsinnigen Erbprinzen Ludwig X. stand. Hier wurde die neueste Musik aufgeführt und Schneider bekam einen umfassenden Einblick in die Musik seiner Zeit. Als dieser Regent von Darmstadt-Hessen wurde, konnte er sich nicht mehr im selben Maße der Musik widmen, auch standen durch höhere Militärausgaben, weniger Mittel für die Musik an.G.A. Schneider

Schneider stellte sich 1795 Prinz Heinrich von Preussen (dem Bruder Friedrich des Großen) in Rheinsberg vor, und wechselte bald darauf hin in die Kapelle des Prinzen. Hier allerdings galt nur die französische Mode. Neue Musik, etwa in der Oper wurde abgelehnt. Schneider hatte mit guter Bezahlung sehr wenig Dienst, so das er hier den Grundstein für seine zahlreichen Kompositionen setzte. Dort lernte er als Kollegen den Hornisten F. Bötticher kennen. Mit diesem konzertierte er in dieser Zeit sehr regelmäßig solistisch und machte sich einen Namen als Hornvirtuose. Als der Prinz am 3. August 1802 starb, ging mit ihm auch die Hofmusik in Rheinsberg zu Ende. Die Kapelle wurde aufgelöst.

Schneider und Bötticher hatten jedoch schon Kontakt zur Hofkapelle nach Berlin aufgenommen, wirkten ab 1802 dort, allerdings ohne Anstellung mit und wurden 1803 fest angestellt. Auch hier hatte Schneider viel Zeit zu Nebenbeschäftigungen, die Hofkapelle spielte ausschließlich 6 Wochen zum Karneval, je eine neue und die vorjährige "italienische" Oper und einige Konzerte, so kam es z. B.. das Schneider fast ein 3/4 des Jahres bei seiner Familie in Breslau weilte, wo Schneiders Frau als Sängerin ein Engagement hatte (als diese allerdings ihr 3 Kind erwartete zog man zurück nach Berlin).


Concertos für 2 und 3 Hörner

1806 änderte sich die Lage dramatisch, Napoleon besetzte Preussen, Friedrich Wilhelm  III. floh nach Memel. Die Hofkapelle wurde zwar nicht aufgelöst, Gehälter konnten aber nicht gezahlt werden und der Spielbetrieb sankt auf Null.

In dieser Zeit ,wenn nicht schon früher,  entstanden für Kunstreisen und seine Abonnementskonzerte Konzerte für 1 bis 3 Hörner. Diese wurden mit der "Firma Schneider & Bötticher" sowie dem Hornisten Marquardt aufgeführt. Folgende Aufführungen von Konzerten  innerhalb der Abonnementskonzerte Schneiders sind nachgewiesen:

    22.12.1808 Konzert für 3 Hörner in E geblasen von Schneider, Bötticher und Marquardt  Quelle : AMZ Jg. XI S.251
    16.2.1809 Konzert für 2 Hörner gespielt von Schneider und Bötticher  Quelle: AMZ Jg. XI S.412
    15.11.1810 Konzert für 2 Hörner gespielt von Schneider und Bötticher  Quelle: AMZ Jg. XII S.995
    10. 2.1811 Konzert für 2 Hörner gespielt von Schneider und Bötticher  Quelle: AMZ Jg. XIII S.131

Schneider versuchte nun , mit aller Tatkraft seiner Frau,  in einer verzweifelten Lage, Abonnementskonzerte indem bis dahin abstinenten  Berlin zu etablieren. Diese wurden durch Hofmusiker und musikalische Dilettanten bestritten. Bei diesen Konzerten kamen Werke Haydns, Mozart, Pleyels und  zahlreiche Werke Schneiders zur Aufführung. Programme darüber sind erhalten geblieben. In Schneiders eigenem Lebenslauf aus dem Jahr 1833 gibt er an, das er die meisten seiner Kompositionen in den Jahren 1806 - 1813 fertigte.

Als Notlösung spielte man auch im relativ neuen Nationaltheater, viele Musiker hatten aber Standesdünkel und in Verkennung der politisch  und wirtschaftlich schweren Zeit fanden Sie es unter Ihrer Würde dort zu spielen, wo auch deutsche Singspiele gegeben wurden. Mit der Rückkehr Friedrich Wilhelms wurden auch die Theaterverhältnisse verändert. Die Hofkapelle wurde als solche aufgelöst, die Musiker fest mit den Musikern des Nationaltheaters zusammengeführt. Das Ausrichten von Konzerten wurde vorläufig nur dem König vorbehalten. Erst nach und nach war es Privatpersonen, so auch Schneider, wieder möglich eigene Konzerte auszurichten. Nach einer Kunstreise 1813 mit seiner Frau und den Kinder, die in Wien endete, bekam Schneider in Berlin von Kotzebue das Angebot, im estnischen  Reval die Theaterleitung zu übernehmen. Schneider nahm an und zog 1813 mit seiner Familie dort hin (er lies sich aber nur von seiner Berliner Hornistenstelle beurlauben!). Für dieses Theater komponierte und dirigierte er 2 Jahre, bevor ihn Freunde immer mehr drängten, die "sichere Stelle" im heimischen Berlin wieder anzunehmen. 1815 kehrte Schneider nach Berlin zurück, wollte aber zunächst nicht die ,ihm immer mehr zuwidere, Orchestermusikerstelle annehmen. Er versuchte mit Kompositionen und Unterrichten zu überleben, trat dann aber doch 1817 wieder seine Stelle an.

Das Concert für 4 Hörner

Eines der erfolgreichsten Stücke Schneiders und wohl eines der erste Werk für Ventilhorn überhaupt. Der Kammermusiker Heinrich Stölzel aus Berlin und  Friedrich  Blühmel aus Pless/ Oberschlesien, bekamen 1818 ein Patent  über 10 Jahre auf die Erfindung des chromatischen Horns. Schneider, immer experimentierfreudig, machte sich vermutlich in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Stölzel an die Komposition eines Werkes für dieses neue Instrument. Er stellte dem chromatischen Horn aber 3 Waldhörner ohne Ventile kontrastierend entgegen, die  die Überlegenheit des Stölzelschen Horns beweisen sollten. Am 16.10.1818 war Uraufführung in Berlin, der Hornist F. Bode aus Schwerin spielte den Ventilhornpart und Schneiders Orchesterkollegen, die Hornisten Andreas Schunke, Heinrich Lenss und  Pfaffe spielten die Naturhörner.

Ausschnitt der AMZ XX Seite 790-791 vom November 1818 über die Uraufführung im Oktober 1818  -->


Das Concert wurde noch im selben Jahr, am 7. November 1818 wiederholt.

    AMZ XX Seite 869

In der nächsten Aufführung am 14.12.1818 übernahm der Berliner Andreas Schunke den Solopart.

   

AMZ XXI Seite 63 1819

In den folgenden Jahren wurde das beliebte Concert  mindestens 10 mal wiederholt, wobei es oft als Entre-Act gespielt wurde. In Berlin ist ein  letzter Nachweis für eine Aufführung aus den Jahr 1825, die Solopartien wurden von Andreas Schunke und seinen Söhnen Julius Schunke und Carl Schunke sowie Heinrich Lenss gespielt.

Am 22.1.1829 wurde in Stuttgart durch Schuncke - Vater und Sohn ( Johann Gottfried Schuncke, Hornist in Stuttgart und Sohn Michael Friedrich Ernst) , Schwegier und Sieber diese Konzert als "Concertante für 4 Waldhörner" gespielt. Sicher bekam Gottfried Schuncke die Noten vom Bruder Andreas aus Berlin.

Letzte Erwähnung (bis jetzt ermittelt) ist in einem Konzerte des Hornisten Christoph Schuncke aus Karlsruhe vom 11.3.1831.

Dort spielt er mit seinen Schülern Andante und Polonaise für 4 Waldhörner. Dieses entspricht den letzten 2 Sätzen des Concertes. Ein Orchester wird zwar dabei nicht vermerkt, es ist aber das letzte Stück im Konzert und ein Orchester ist vorhanden gewesen. Mit Sicherheit wollte man einen effektvollen Orchesterabschluss haben.

Kombinationskonzerte

Zu einen der originellsten Kompositionen Schneiders gehören die sogenannten Kombinationskonzerte, entstanden auch um 1818. Diese waren in der Begleitung vollkommen identisch, nur die Solostimme wurde für 5 verschiedene Soloinstrumente( Horn, Violine, Klarinette, Oboe und Fagott) unterschiedlich komponiert. So entstanden für 5 Solokonzerte nur einmal die Kosten für den teuren Stich der Orchesterstimmen. Allerdings sahen das viele Verleger immer noch als Risiko an, erst der Verlag Hofmeister in Leipzig veröffentlichte die Konzerte.

 1819 wurde ihm die Leitung der Musikchöre des Gardecorps übertragen, im März 1820  wurde Schneider nun endlich, durch Förderung Bernhard Anselm Webers, von seinem Orchesterdienst befreit, er wurde (in der Nachfolge Rombergs) zum kgl. Musikdirektor berufen und ihm die Leitung der Schauspielmusik überlassen. Allerdings wird von Graf Brühl zusätzlich vermerkt das Schneider" unbeschadet seiner Würde als Musik-Director, er verpflichtet wäre, im Nothfalle mit seiner ausgezeichneten Kunstfertigkeit auf dem Waldhorne, vorfallende Solo-Partien im Orchester zu übernehmen, damit nicht, wie dies bei dem Kapellmeister Romberg der Fall war, sein schönes Talent als Virtuos ganz für den königlichen Dienst unnütz werde."

Allerdings wurde Schneider schon nach einiger Zeit von dieser Soloverpflichtung entbunden. Durch die starke Anspannung des Theater- und Orchesterdienstes kam Schneiders Kompositionstätigkeit auch ab dieser Zeit zum erliegen. Er komponierte aber immer noch Theater- und Zwischenmusiken oder richtete diese ein.

1825 leitete er nach der Ernennung zum kgl. Kapellmeister auch Vorstellungen der Oper.

1833 wählte man Schneider zum Mitglied der Musiksektion der Akademie der Künste in Berlin. Dort wirkte er dann ab 1834 als Lehrer für freie Instrumentalkomposition bis zu seiner Pensionierung 1838.

Nach längerer Krankheit starb Schneider am 19. Januar 1839 in Berlin.

 

Neben den genannten Werken für 2 - 4 Hörnern komponierte Schneider Hornduos, Trios, Quartette für Horn und 3 Streicher und mehrere Konzerte für Horn. Jedoch stellen die Kompositionen für Horn nur einen Bruchteil seines Schaffens dar. Kammermusik, Solokonzerte für fast alle Instrumente (darunter ein Konzert für 4 Fagotte), Schauspielmusiken, Harmoniemusiken, Sinfonien etc.  - Schneiders Oeuvre ist groß und umfassend. Leider hat sich von seinen Werken nur ein kleiner Teil erhalten. Im 2. Weltkrieg verbrannten zahlreiche seiner Werke in der Bibliothek in Darmstadt. Wir wissen nicht nur durch erhaltene Werke von Schneider Schaffen 1807 schrieb er für das Musiklexikon von Gerber ein Werkverzeichnis, 1833 stellte er nochmals ein solches auf.

In der Robert Ostermeyer Musikedition verlegt:


 

Quellen:  AMZ 1796 - 1839; Gerber Tonkünstlerlexikon; Andreas Meyer-Hanno: Dissertation und Buchausgabe zu Georg Abraham Schneider