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Hiebesch, Johann Nepomuk

Der 1766 in Birkhausen bei Wallerstein geborene (getauft am 18. Mai 1766) Johann Nepomuk Hiebesch war Sohn des Matthias Hiebesch, der Jäger im fürstlichen Fasanenwald war. Sein Vater stammte aus Opotschno (tschech. Opočno) in Nordostböhmen.
Über die Ausbildung von Johann Nepomuk Hiebesch ist wenig bekannt. Bei seinem Aufnahmegesuch vom 24.8.1786 an den Hof von Wallerstein gab er an, dass er„vier Schulen absolvirt“ und nach seinen „Studier-Jahren“ sich „der Musik gewidmet“ habe, wobei das Horn sein Hauptinstrument sei. Ab Januar 1787 ist er als Bedienter mit einem monatlichen Kostgeld von 4 fl fassbar und wird in der Hofchronik ausdrücklich als „Waldhornist“ bezeichnet. Wahrscheinlich wirkte Hiebesch aber schon vor diesem Zeitpunkt am Hof des Fürsten von Oettingen-Wallerstein. Vom 2. März 1786 hat sich ein Konzertprogramm erhalten, wo unter Punkt 5 vermerkt wird:

Ein Waldhorn-Konzert, gesetzt von Fiala, gespielt von Hüwesch.

Konzertprogramm 1786


Der Chronist Friedrich Weinberger schreibt in einem Artikel über die fürstliche Hofkapelle Wallerstein von 1780-1840 über Hiebesch, dass dieser bei Rosetti General-Bass und Komposition studiert habe. Ebenso gibt Weinberger an, dass er  am Cello eingesetzt wurde. Außerdem muss Hiebesch ein guter Klavier- und Orgelspieler gewesen sein. Mit seinem Bruder Joseph (1768-1805), welcher das Horn und weitere Instrumente spielte, am Hof jedoch als Jäger, wie sein Vater, angestellt war, unternahm er anscheinend Konzertreisen als Horn spielendes Duo.
Vielleicht sind die beiden von Johann Nepomuk Hiebesch komponierten Konzerte für zwei Hörner für ihn und seinen Bruder geschaffen worden.
In späteren Jahren musste Hiebesch aus gesundheitlichen Gründen das Hornspiel aufgeben. In der Hofkapelle spielte er mehrheitlich das Cello. 1793 wird er als besoldeter Hofmusiker ernannt. 1794 heiratete er Maria Rosina Barbara Link (1769-1853), mit der er drei Töchter hatte.Ab Mai 1802 erhielt er eine monatliche Zulage von 6 fl für den Klavierunterricht, den er den Prinzen erteilte. Im Frühjahr 1808 wurde ihm unter Beibehaltung seiner Pflichten in der Hofkapelle das Amt des Chorregenten an der Wallersteiner Pfarrkirche übertragen, das er bis zu seinem Tod versah. Er starb am 31.7.1820 in Wallerstein.
 In der ehemaligen Hofbibliothek (heute in der Universitätsbibliothek Augsburg) sind drei Hornkonzerte (zwei davon für zwei Hörner), fünf Bläser-Harmoniemusiken sowie vier Sinfonien im Manuskript erhalten geblieben.
Von seinen Kirchenmusiken (u. a. drei Messen, zwei Requiem und mehrere kleinere Kirchenstücke), die er wohl von Amts wegen komponierte und die sich um 1870 noch in der Wallersteiner Pfarrkirche befanden, fehlt jede Spur.

Sein Bruder Joseph Hiebesch wurde im Frühjahr 1800 als Hofmusiker ernannt. Da er wie sein Bruder Johann Nepomuk mehrere Instrumente beherrschte, konnte er in der Hofkapelle vielseitig eingesetzt werden. Wie schon genannt, spielte er schon lange Jahre vor seiner offiziellen Ernennung in der Hofkapelle, vor allem als Kontrabassist, jedoch auch an der Violine, Cello und am Horn. Nach dem Tod des Hornisten Nagel 1802 übernahm Joseph die Position des ersten Hornisten in der Kapelle. Er starb am 19.10.1805 in Wallerstein.


Abschließend sei noch der jüngste Bruder, Karl Hiebesch (1777-1835) erwähnt. Dieser war ab 1804 Klarinettist in der Wallersteiner Militärmusik und spielte ab etwa 1806-1818 als Flötist und an der Klarinette in der Hofmusik. Ab 1814 wurde er als Holzaufseher in die Hofdienerschaft aufgenommen und im August 1818 wegen Unterschlagung mehrerer Klafter Brennholz entlassen. Wegen diesem Delikt verbrachte er dreieinhalb Jahre im Arbeitshaus. Ein Gesuch aus dem Jahr 1821 um Wiedereinstellung wurde abgewiesen, ihm wurde lediglich gestattet als Tagelöhner zu arbeiten. Er starb am 7. Mai 1835 in Wallerstein.

An dieser Stelle sei Günther Grünsteudel von der Universitätsbibliothek Augsburg für seine selbstlose Bereitschaft, seine Forschungsergebnisse über Hiebesch zu teilen, an dieser Stelle herzlich gedankt.

Editionen:

 

weitere Quellen:

Die Hornisten der Wallersteiner Hofkapelle (pdf)